Samstag den 17. Juli 2010 17.30 Uhr im Festsaal Oberaudorf
Kinshasa Symphony
ein Film von Claus Wischmann und Martin Baer
Deutschland 2010, 95 Minuten, OmU
Uraufführung: Internationale Filmfestspiele Berlin 2010,
Berlinale Special
mit dem Orchestre Symphonique Kimbanguiste
Dirigent: Armand Diangienda
Buch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Claus Wischmann
Kamera . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Martin Baer
Ton . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Pascal Capitolin
Schnitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Klum
Musik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jan Tilman Schade
Produktionsleitung . . . . . . . . . . . . . . . Karl-Martin Lötsch
Produzenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Stefan Pannen
Holger Preuße
Redaktion . . . . . . . . . . . . Jutta Krug, Lothar Mattner, WDR
Petra Schmitz, RBB
Musik: Amand Amar
In völliger Dunkelheit spielen zweihundert Orchestermusiker Beethovens Neunte – „Freude schöner Götterfunken“. Ein
Stromausfall wenige Takte vor dem letzten Satz. Problemewie dieses sind noch die kleinste Sorge des einzigen Symphonieorchesters in Zentralafrika. In den fünfzehn Jahren seiner Existenz haben die Musiker zwei Putsche, mehrere Krisen und einen Krieg überlebt. Doch da ist die Konzentration auf die Musik, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. KINSHASA SyMPHONy zeigt Menschen in einer der chaotischsten Städte der Welt, die eines der komplexesten Systeme menschlichen Zusammenlebens aufbauen: ein Symphonieorchester.
Ein Film über den Kongo, über die Menschen und über die Musik.
Einer der Musiker ist Albert Matubanza. Er hat vielen Streichern im Orchester die Noten und ihr Instrument erklärt.
Dabei ist er selbst Gitarrist und kann weder Geige noch Cello spielen. Gerade baut er an einem neuen Kontrabass für das Ensemble. Andere Handwerker unter den Orchestermitgliedern haben inzwischen eine ganze Kollektion von oft selbst erfundenen und gebauten Werkzeugen, um jede erdenkliche Reparatur eines Instruments durchzuführen. Nebenbe ischneidern die Musikerinnen und Musiker ihre Anzüge und Kleider für die Auftritte selbst, organisieren die Beschaffung von Noten und sorgen während der langen Probenabende für die Beaufsichtigung der Kinder.
Die meisten Orchestermitglieder sind Autodidakten und Amateure. Selbst für diejenigen, die das Glück haben, über
eine Berufsausbildung und halbwegs geregelte Arbeit zu verfügen, ist der Alltag in der Acht-Millionen-Metropole Kinshasa ein Kampf ums Überleben. Für viele beginnt der Arbeitstag um sechs Uhr morgens, oft noch weit früher für diejenigen, die sich die Fahrt im Sammeltaxi nicht leisten können und ihren kilometerlangen Arbeitsweg zu Fuß zurücklegen. Trotzdem wird abends bis in die Nacht hinein geprobt – und das praktisch jeden Tag.
Auch Joséphine Nsimba muss um fünf Uhr aufstehen. Dann fährt sie zum größten Markt Kinshasas, um Omeletts zu
verkaufen. Ihre monatlichen Einnahmen reichen gerade für die Wohnungsmiete. Weil die importierten Eier aus Brasilien und den Niederlanden die Preise kaputt machen, ist es ein schweres Geschäft. Ohne Pause geht es anschließend zur Probe. Sie gehörte zu Alberts ersten Cello-Schülerinnen. Heute sind die beiden verheiratet. Ihr achtjähriger Sohn Armand ist seit langem krank. Trotz der hohen Kosten entscheiden sich Albert und Joséphine schließlich für eine Operation.